Da hängt im Nürnberger “neuen museum” mal eine Ausstellung, die mich interessiert – und ich schaffe es erst am vorletzten Tag hin zu gehen
Nun, ich habe es gesehen, was am Ende das wichtigste ist. Leider für den geneigten Leser zu spät, sich nun selbst vor Ort von der Schönheit der Bilder zu überzeugen.
Vom 4. März 2011 bis zum gestrigen Sonntag, den 26. Juni 2011 hingen im neuen museum also Werke von F.C. Gundlach – dem wohl bedeutensten Modephotographen Deutschlands. Da der gute Mann unendlich viele Bilder geschaffen hat, war es sicher nicht einfach einen Querschnitt durch sein Werk heraus zu arbeiten, der repräsentativ für das Gesamtwerk steht. Daher einen großen Applaus an das Kuratorenteam, die diese Ausstellung erarbeitet hat.
“In Mode, das photographische Werk” zeigt aber nicht nur Modephotographien, sondern auch Bilder von Gundlachs Reisen und Kindern, biographische Werke, Portraits einiger zeitgenössischer Stars und Bilder von Paris.
Sehr schön war für mich, dass ich mit der gesamten Familie Riedel die Ausstellung besuchte. Da Andreas Riedel ja selbst gerne hinter der Kamera rum turnt, sieht er die Photographien nochmals mit einem anderen Blick als ich. Für mich ist die Inszenierung der Klamotte das Augenfälligste – für Andreas die Lichtsetzung. Spannend an Hand der fertigen Photographien den Stand der Scheinwerfer zu bestimmen!
Was man nicht vergessen darf: Retousche gab es schon früh in der Photographie, aber natürlich nicht in dem Maße, wie das heute im digitalen Zeitalter der Fall ist. Die Modells der 50er und 60er Jahre sind nicht halb so dünn, wie die heutigen. Und wenn man auf einem Bild über die unglaubliche Taille einer Dame staunt, liegt das zumeist an einem ausladenden Busen und sehr wohl vorhandenen Gesäß!
Sehr schmunzeln mussten wir allerdings über die unrasierten Beine einer Dame… – heute undenkbar! Auch das Thema “unreine Haut”: Die Haut war dann halt einfach nicht so glatt gebügelt, wie das Photoshop heute hin bekommt. Natürlich verschwindet die ein oder andere Hautrötung in der Grobkörnigkeit mancher Aufnahme. Doch auch das was sichtbar bleibt wirkt nicht störend, unästhetisch oder “unperfekt”.
Gundlach selbst sagt über die Modephotographie, dass sie mehr über die Zeit aussagt, in der sie gemacht wurde, als manche Dokumentarphotographien, die vorgeben, die Realtiät abgebildet zu haben. Guter Satz! Und so wahr!
Die Bilder spiegeln Ideen, Rollenverständnis, Schönheitsideale, Träume und Ziele ihrer Zeit wieder.
Bezüglich der Modephotographie im Allgemeinen stellte ich wieder einmal fest: Weniger ist mehr! Auch bei Gundlachs Photographien waren es die “einfachen” Aufnahmen, die mich am meisten ansprachen. Ein ruhiger, monochromer Hintergrund. Eine “normale” Haltung des Modells. Ein eher statischer Aufbau.
Beeindruckend ist manch genialer Bildschnitt, der für mich völlig unerwartet erschien.
Mir persönlich bleibt nach dem Besuch der Ausstellung das Gefühl im Bauch zurück, dass das Verständnis F.C. Gundlachs von Photographie der Auffassung, die ich über meinen Beruf habe sehr ähnelt:
Wir verstehen uns als Handwerker, die im Rahmen der Kunden-Vorgaben etwas zu erschaffen versuchen, dass dann doch den Rahmen sprengt und den Kunden ein begeistertes wie überraschtes “Aahhh!” entlockt.
Update – 11:34 Uhr – Montag 27. Juni 2011:
Gerade einen Anruf erhalten, ich sollte die Bilder zum Gundlach-Post gaaaanz schnell entfernen. Der Anrufer habe auch über die Ausstellung berichtet und “durfte” 4.000 Euro zahlen, wegen unerlaubter Bildnutzung. Scheinbar sind die Anwälte der Stiftung F.C. Gundlach da ganz scharf. Damit hat Herr Gundlach zwar gerade bedeutend an Respekt und Sympathie für mich verloren – denn wer sich nicht darüber freut, dass er in Blogs wie dem unseren beworben wird, legt für meinen Geschmack zuviel Arroganz an den Tag. Sei es drum – er hat offensichtlich bereits ausgesorgt…
Tags: F.C. Gundlach, Fotografie, Genuß, neues museum, Nürnberg, Photographie

Da hätten wir uns ja glatt über den Weg laufen können. Ich war Samstag Nachmittag ebenfalls dort. Die Ausstellung fand ich gut, war froh dass ich doch noch Gelegenheit hatte sie mir anzuschauen.